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Synopsis, Form

Das Stück fängt auf der Strasse vor dem Theater an. Die Musikerinnen spielen genau wie Strassenmusiker, trinken ab und zu, rauchen und versuchen Geld zusammenzu-bringen. Ein paar Musikstücke tauchen später auf der Bühne wieder auf.

Im Theater dann beginnt es mit einem Solo der Bassistin, allein im Dunkeln. Ein spärliches Licht fällt auf sie. Sie pfeift eine Melodie von Bélà Bartòk und begleitet sich dabei auf dem Kontrabass. Eine Schnapsflasche fällt zu Boden.

Dann beginnt das Stück wirklich. Anscheinend in der Form einer Zirkus-Vorstellung, mit einzelnen Nummern und geleitet von einer Off-Stimme, die die verschiedenen Performances präsentiert oder kommentiert. Zum Beispiel: eine affektierte Augenartistin, ein sehr virtuoses Violin-Solo von Bach, ein mieser Clown oder ein gymnastisch-verrenktes Solo der Cellistin. Die anderen applaudieren frenetisch. Die Manege-Ebene im Stück verweist uns auf die klischeehaften «lustigen» Seiten des «Zigeunerlebens»: Diese Faria-Faria-Ho-Fama, auf die die «Zigeuner» oft eingeschränkt werden, weil wir sie nur in dieser Rolle akzeptieren wollen und die uns erlaubt, uns an der Fasnacht als Zigeunerin zu verkleiden.

Nach und nach kippen diese Szenen in unerwartet unbequeme Lagen: Ein schönes Volkslied, am Anfang zart gesungen, endet in Schreien. Plötzlich beginnt eine absurde Spieldosen Lochkarten-Fabrikation mit 100er-Nägeln, oder eine Lullaby-Szene in Erinnerung an die Frauen, denen die Kinder direkt nach der Geburt im Spital weggenommen wurden. Briefe von Kindern an Siegfried und seine Antworten werden projiziert und gelesen.

Auf einer weiteren Ebene begleiten, Gespenstern gleich, Stimmen die Szene. Texte von Mariella Mehr, oder diffuse Kinderstimmen. Material aus Audio-Archiven, Interviews oder Geräusche.

Das Stück entfernt sich immer mehr von der Zirkus-Stimmung und taucht in ein Universum von furchtbaren Erinnerungen, Visionen, Träumen und Albträumen ein.